In der ersten empirischen Sock-Puppet-Audit-Studie zu Werbeeinblendungen in ChatGPT untersuchten Forschende demografische Unterschiede bei der Ad-Ausspielung anhand von 91 automatisierten Test-Accounts. Die Ergebnisse zeigen, dass Accounts erst 14 Tage nach Erstellung Werbeanzeigen erhalten und Profile mit niedrigerem Einkommenssignal unabhängig von der Ethnie signifikant häufiger Ads ausgespielt bekommen. Die analysierten Anzeigen stammten überwiegend aus dem Konsumgüterbereich, verlinkten direkt auf die Start-/Unternehmensseiten der Werbetreibenden und waren optisch klar vom generierten Modelltext getrennt.
von Emma Lurie, Ro Encarnación, Sorelle A. Friedler, Danaé Metaxa
B – echte Kampagnendaten mit Zahlen
Gesammelte Werbeanzeigen
> 3.000
Einzigartige Werbetreibende
186
Getestete Prompts
335
Eingesetzte Test-Accounts
91
Account-Alter bis zur ersten Werbeausspielung
14 Tage
Der Test im Detail
Was wurde getestet
Demografische Unterschiede (Ethnie und Einkommensniveau) bei der Ausspielung und Formatierung von ChatGPT Ads.
Setup
Sock-Puppet-Audit-Methodik mit 91 Accounts in einem 3x3-faktoriellen Design (Black, Hispanic, White gekreuzt mit niedrigem, mittlerem und hohem Einkommen) via Geolocation-Cues (IP-Proxies und ortsbezogene Prompts); 335 realistische Prompts wurden abgefragt.
Ergebnis
Accounts beginnen genau 14 Tage nach der Erstellung Ads zu empfangen. Accounts mit niedrigerem Einkommen erhielten unabhängig von der Ethnie mehr Anzeigen. Die erfassten Werbeanzeigen konzentrierten sich stark auf Konsumgüter, verwiesen auf allgemeine Advertiser-Auftritte statt konkrete Einzelprodukte und waren visuell strikt von der LLM-Antwort getrennt.
Grenzen der Aussage
Beschränkt auf US-Accounts und simulierte Nutzersignale über IP-Proxies und Prompts; bezieht sich auf die initiale Rollout-Phase von ChatGPT Ads.
Zeitraum: Ab Februar 2026
Ricks Einordnung
Ich sehe hier die erste belastbare wissenschaftliche Untersuchung zur tatsächlichen Ad-Ausspielung in ChatGPT. Besonders spannend für die Praxis: Die 14-tägige Karenzzeit für Neu-Accounts und die Tatsache, dass Einkommenssignale (über Geolocation/Prompts) die Ad-Dichte beeinflussen, während OpenAI vorerst an einer strikten optischen Trennung zwischen Content und Ad festhält.
OpenAI dokumentiert in den offiziellen FAQ die Rahmenbedingungen für Werbung in ChatGPT, die am 9. Februar 2026 für Free- und Go-Nutzer in den USA startet. Werbeanzeigen erscheinen optisch getrennt unterhalb der generierten Antworten und werden durch eine Kombination aus inhaltlicher Relevanz und Geboten gerankt, ohne die Chat-Antworten inhaltlich zu beeinflussen. Neben umfangreichen Privatsphäre- und Personalisierungs-Einstellungen wird ein kostenloses werbefreies Modell mit reduzierten Nutzungslimits eingeführt.
OpenAI testet Optionen für negatives Targeting mit einer kleinen Gruppe von Werbetreibenden, wie eine Sprecherin gegenüber ADWEEK bestätigte. Werbekunden erhalten damit Möglichkeiten anzugeben, neben welchen Kontexten ihre Anzeigen nicht ausgespielt werden sollen. Hintergrund sind Beschwerden von Media-Einkäufern über mangelnde Kontrollmöglichkeiten, Zielgruppenschärfung und Transparenz bei der Anzeigenauslieferung.
OpenAI testet im ChatGPT Ads Manager ein neues Anzeigenformat, bei dem Klicks nicht auf eine externe Website führen, sondern direkt eine Konversation mit einem unternehmensspezifischen KI-Agenten starten. Dieser Agent basiert technisch auf Custom GPTs und wird durch automatisiertes Website-Crawling, benutzerdefinierte Anweisungen, Produkt-Feeds, MCP-Tools und Lead-Formulare gespeist. Das Feature steht derzeit nur einer begrenzten Gruppe von Werbetreibenden zur Verfügung; die finale Endnutzer-Darstellung in ChatGPT ist noch nicht flächendeckend beobachtet worden.
Der Leitfaden erlaeutert die Funktionsweise von ChatGPT Product Carousel Ads fuer Free- und Go-Tier-Nutzer in den USA, die ueber strukturierte Produkt-Feeds automatisiert ausgespielt werden. Da OpenAI auf semantisches Intent-Matching statt reiner Keyword-Zuordnung setzt, entscheiden Attributvollstaendigkeit und natuerlichsprachig optimierte Produkttitel ueber die Sichtbarkeit. Die organische Antwort der KI bleibt dabei gemaess dem Prinzip der 'Answer Independence' unbeeinflusst neben oder unter den Produktkarten.